Die Projekte

 

Auf den Punkt gebracht: Bürgerschaftliches Engagement heute

Schriftenreihe der Stiftung Westfalen-Initiative Band 10

 

Geht es um Mitgliedschaften in gemeinnützigen Organisationen so zählen die Deutschen zur europäischen Spitzengruppe. Mehr als ein Drittel der Bundesbürger sind regelmäßig bürgerschaftlich engagiert. In Westfalen-Lippe gibt es über 1000 Stiftungen - auf 100.000 Einwohner kommen 725 Vereine. Sie gewinnen auch für den Arbeitsmarkt zunehmend an Bedeutung, da sie sich im Zuge des steigenden Wettbewerbs professionalisieren müssen. Diese und weitere Fakten entstammen der Publikation „Bürgerschaftliches Engagement heute" von Prof. Dr. Annette Zimmer und Dr. Michael Vilain. Die Autoren haben mit dem Band 10 der Schriftenreihe der Stiftung Westfalen-Initiative ein für gemeinnützige Organisationen und ehrenamtlich Tätige unverzichtbares Handbuch vorgelegt.

Die Publikation beleuchtet einen wesentlichen Aspekt des Subsidiaritätsprinzips, dessen Förderung der wichtigste satzungsmäßige Zweck der Stiftung Westfalen-Initiative ist: Menschen nehmen ihre Belange selbst in die Hand und zeigen Eigenverantwortung. In diesem Zusammenhang spielt Bürgerschaftliches Engagement eine zentrale Rolle. Angesichts der gegenwärtigen Situation, in der die sozialen Sicherungssysteme und auch der Arbeitsmarkt grundlegenden Änderungen unterworfen sind, ist jeder Einzelne dazu aufgerufen, sich für eine solidarische Gesellschaftsentwicklung zu engagieren. Die Stiftung Westfalen-Initiative wird deshalb auch in den kommenden Jahren im Bereich Bürgerschaftliches Engagement einen Schwerpunkt setzen und gemeinsam mit Partnern Projekte durchführen, die es stärken.

Auch wenn die Deutschen nicht - wie etwa die Skandinavier und Niederländer - zu den „Stars" in Sachen Bürgerschaftliches Engagement gehören, so belegt Deutschland im internationalen Vergleich doch einen Platz im vorderen Mittelfeld. Das Vorurteil, die Deutschen seien ein Volk von Egoisten, wird in der Studie nicht bestätigt. Im Gegenteil: „Bürgerschaftliches Engagement" befindet sich auf Wachstumskurs - noch nie waren so viele Bundesdeutsche bürgerschaftlich tätig wie heute. Doch die Autoren zeigen gleichzeitig auf, welchen veränderten Rahmenbedingungen sich der gemeinnützige Sektor stellen muss um zukunftsfähig zu bleiben.

Eine der großen Herausforderungen für gemeinnützige Organisationen liegt in der Anpassung an die zunehmende gesellschaftliche Mobilität. Ein zeitlich befristetes Engagement muss möglich sein, Vereine und Organisationen müssen dementsprechend flexibler werden und auch Quereinstiege in leitende Positionen ermöglichen.

Dass Ehrenämter hilfreich beim Aufbau beruflicher Netzwerke oder bei der Zuteilung von Ressourcen sind, steht schon lange fest. Doch im Zuge des Wertewandels in der Gesellschaft sind die Motive für Bürgerschaftliches Engagement vielfältiger geworden. Sie reichen von Gemeinschaftsorientierung bis hin zu individueller Verwirklichung. Es gilt das Prinzip des Gebens und Nehmens. Auch sind ehrenamtlich Tätige dem Staat gegenüber kritischer und selbstbewusster geworden.

Häufig überschätzt wird jedoch das Integrationspotenzial gemeinnütziger Organisationen: Die Studie zeigt auf, dass gerade benachteiligte Gruppen unterdurchschnittlich aktiv, hochintegrierte und gut situierte gesellschaftliche Gruppen besonders aktiv sind.

Die Verbände müssen auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren und sich professionalisieren, um im Wettbewerb um ehrenamtlich Engagierte zu bestehen. Dies bedeutet auch ein flexibleres Engagementangebot und die Bereitschaft zu strukturellen Veränderungen. Die Autoren verweisen darauf, dass bei weitem nicht alle Engagementpotenziale ausgeschöpft sind: Es gilt, diese auszuloten und zu aktivieren.